SIE und ich
 



SIE und ich
  Startseite
    Rückblicke
    Aktuelles
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Freunde
   
    y-ghost

    exhausted
   
    schneckenschiss

    cateline
   
    kaputo

   
    ibiza-strand

   
    nikinyan

    - mehr Freunde


Letztes Feedback
   8.10.17 01:57
    Wow :) Ein sehr, sehr sc
   8.10.17 13:19
    es ist schön so etwas vo


http://myblog.de/kickdrumheart

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Zettelwirtschaft

Ich arbeite seit einem guten halben Jahr in meinem aktuellen Job. Viel Stress, nicht immer ganz leicht, aber darum soll es hier nicht gehen.

Ich habe seit einigen Monaten einen neuen Kollegen. Er ist ein richtig netter Kerl, ein guter Typ. Potenzielles Kumpel-Material. Aber nicht nur das, denn er hat innerhalb von kürzester Zeit eine Freundin in meiner (und jetzt auch seiner) Stadt gefunden. Einfach so. Online. Irgendwie gezielt. Ich schreibe das hier nicht, um das irgendwie zu verurteilen, im Gegenteil. Aus meiner Sicht ist das durchaus bewundernswert. Im Moment scheint es nämlich auch so, als hätte er die große Liebe gefunden. Es ging ganz schnell. In den ersten Tagen schwärmte er mir mit leuchtenden Augen von ihr vor. Wenige Wochen später haben sie sich schon eine gemeinsame Wohnung ausgesucht und renovieren sie gerade. Liebe. Liebe ist toll.

Ich sage das ohne Neid, auch wenn ich das Gefühl habe, gerade auf der gänzlich anderen Seite der Gefühlsskala zu sein. Vor ein paar Tagen musste ich aber schon schlucken und musste aufpassen das nicht zu laut zu tun. Ich stand neben seinem Arbeitsplatz, weil er mir etwas zeigen wollte, da sah ich an seinem Monitor viele gelbe Zettel mit seinen Notizen hängen und einen orangenen. Ich bin nicht neugierig, aber mein Blick schweifte über diesen Zettel und auf ihm stand etwas dieser Art:

"Ich hab dich sehr lieb und du machst mich glücklich. Danke, dass es dich gibt!" zusammen mit einem kleinen Herzen oder einer Blume. Ich wollte nicht zu sehr auf den Zettel starren, daher ist mein Bericht lückenhaft.

Natürlich handelt es sich bei dieser Klebenotiz um eine Botschaft seiner neuen Liebe. Und wieso musste ich schlucken? Der (gar nicht mal so) aufmerksame Leser ahnt es schon: ja, es gab eine Zeit, in der SIE mir auch viele solcher Botschaften schrieb. Und weil ich mich schwer damit tue, liebe Nachrichten wegzuwerfen liegen sie hier auf meinem Schreibtisch. Moment, ich kram sie mal raus…

"Du wirst wieder Spaß an der Arbeit haben!" (das bezog sich auf meine damalige Selbständigkeit)

"Danke für ein tolles Wochenende!" (zusammen mit vielen Herzen)

"Ich liebe dich!" (und ganz viele Herzen)

Und dazu noch jede Menge Nachrichten von Hubi, einem Stoff-Affen, den ich IHR mal in einem Zoo gekauft habe und den SIE eine Zeit lang als Liebesbote missbraucht hat.

"Ich häng hier so ab und soll dir sagen: SIE liebt dich!"
"SIE stands upside-down for you! Hugs, Hubi"

An diese Nachrichten musste ich in dem Moment denken. Sie sind schnell gemacht und kosten wenig Mühe, aber können trotzdem einen ganzen Tag, ein ganzes Leben versüßen. Und in dem Moment als ich den orangenen Zettel sah, fehlte SIE mir wieder ein bisschen mehr. Ihre süßen und kreativen Ideen, mir ihre Liebe zu zeigen. Der süße, erwartungsvolle Blick wenn SIE gespannt auf meine Reaktion war. All das ist weg und scheint weit entfernt zu sein. Ja, SIE lächelt mich immer noch an, wenn ich SIE sehe, aber es ist ganz anders.

Einen dieser Zettel vermisse ich übrigens tatsächlich. Den hat SIE mir mal gegeben zu einem Zeitpunkt, an dem ich nicht damit rechnete. Ich glaube das war nach einer schlimmen Nacht (aber darum soll es hier auch nicht gehen). Auf dem Zettel war eine wunderbar talentierte, aber auf einem profanen kleinen Zettel gezeichnete Kugelschreiber-Zeichnung, die SIE, mich und unseren (damals war es "unser") Hund von hinten zeigt, wie wir eng umschlungen am Strand einen Sonnenuntergang betrachten. Jetzt, wo ich das beschreibe, bekomme ich feuchte Augen, weil es genau das symbolisiert hat, was ich mir gewünscht habe. Das hat mir Kraft gegeben. Und auch die Art und Weise, wie SIE mir das gab: ein Zeichen ihres Herzens mitten in einer Zeit, als es (und SIE) mit ihren Dämonen zu kämpfen hatte. Es gab einen lichten Moment in einer Nacht (SIE gab es mir morgens), in dem sich ihr großes Herz an ihren damals aktiven Dämonen vorbeischleichen konnte, um mir diese Nachricht zu erstellen. Vielleicht versteht man jetzt, wieso dieser Zettel mir damals so viel bedeutet hat.

Ich weiß nicht, was mit diesem Zettel passiert ist. Weggeworfen habe ich ihn sicher nicht. SIE vielleicht. Ich glaube nicht, dass ich ihn noch mal wiederbekommen werde. SIE würde mir sicher eine neue Zeichnung anfertigen, wenn ich SIE darum bitten würde, aber SIE würde es nicht mehr so meinen. Insofern geht diese Botschaft ein in den Pantheon kleiner, aber wichtiger Dinge, die ich verloren habe. Ich meine, schon früher darüber gebloggt zu haben. Bei den anderen Dingen handelt es sich um kleine Herzen von ihr, die mir viel bedeutet haben. Irgendwann mal fällt mir vielleicht eines davon in die Hände und wird sicher viel, viel in mir auslösen.

All dies schoss mir in den Kopf als ich den Zettel beim Kollegen sah. Ich hab mich dann erst mal wieder in mein Büro zurückgezogen und durchgeatmet. Und dann weiter gearbeitet. Ich hab ja auch Niemanden (schon gar nicht auf der Arbeit), mit dem ich darüber reden könnte. Dafür gibt es ja immer noch diesen Blog.
8.7.17 20:52
 
Letzte Einträge: (Digitale) Reise in die Vergangenheit, Endspurt, Irrational, Hart, Türen, Wunschzettel


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung